BIG Player bei öffentlichen Bauaufträgen

Interview mit DI Wolfgang Gleissner, Geschäftsführer der Bundesimmobiliengesellschaft

Die Bundesimmobiliengesellschaft ist einer der größten öffentlichen Bauherren unseres Landes. Neben vielen anderen Sektoren, werden von der BIG beispielsweise alle Universitätsbauten oder Bundesschulen und auch verwaltet.

Die Bauten der BIG prägen das Stadtbild zahlreicher Städte und sind damit auch mitbestimmend für das Selbstverständnis der Republik im Umgang mit der Baukultur. Durch die Vielzahl der abgewickelten öffentlichen Bauprojekte kann die BIG daher auf einen Erfahrungsschatz zurückgreifen, über den kaum eine andere österreichische Institution verfügt.

Wir haben mit dem Geschäftsführer der BIG, DI Wolfgang Gleissner darüber gesprochen welche besondere Verantwortung mit dieser Sonderstellung verbunden ist.

Die Bundesimmobiliengesellschaft hat als Einrichtung der Republik bei jedem Projekt einen Zielkonflikt zu lösen: Sparsamkeit versus baukultureller Qualität. Wie gehen Sie damit um?

GLEISSNER:
Meiner Meinung nach war dieser Zielkonflikt bereits in der damaligen Ausgliederung der Bundesimmobiliengesellschaft beinhaltet. Man hat dabei festgelegt, dass man sich bei Neubauprojekten des Wettbewerbs zu bedienen hat und somit diesen baukulturellen Ansprüchen genügen soll.

Ich möchte es unter dem Begriff Nachhaltigkeit einreihen, denn wir sagen immer, wir seien ein nachhaltiges Unternehmen. Das ist es, wofür wir stehen. Zu den drei Säulen der Nachhaltigkeit zählen die ökologische, die ökonomische und die soziale Komponente, wobei auf letztere oft vergessen wird. Diese drei Säulen könnte man auch in puncto Immobilien anwenden, denn Gebäude dienen einer Funktion und sollen diese Aufgabe auch möglichst lange erfüllen.

Zudem hat der Mensch, der sich entweder im Gebäude befindet oder auch nur daran vorbei geht, qualitative Ansprüche. Einerseits muss man sich im Gebäude wohlfühlen, andererseits nimmt die Identifikation mit dem Objekt einen wesentlichen Stellenwert ein. Für mich ist Qualität daher der zweite Punkt, den ich als gleichauf mit den ökologischen Ansprüchen betrachte.

Ein weiteres Thema stellen Kosten dar. Die Herausforderung liegt darin, mit einer überschaubaren Geldmenge das Optimum herauszuarbeiten.

Die spannendste Aufgabe liegt darin, das Spannungsfeld zwischen Kosten und Nutzen zu bewältigen und zwischen den beiden Komponenten ein gutes und ausgewogenes Verhältnis unter Beachtung anderer Parameter, wie Funktionalität, Wohlfühlen, Identifikation und im weitesten Sinne auch Ressourcenschonung, bei entsprechender Qualität zu schaffen und zu halten.

Was bringt eigentlich ein Architekturwettbewerb?

GLEISSNER:
Prinzipiell ist ein Architekturwettbewerb eine tolle Sache. Bei den meisten großen Projekten kann man sich im Rahmen eines Wettbewerbs viele Ideen von genialen Köpfen abholen. Wer seine grundsätzlichen Ansprüche und Vorstellungen betreffend des Objekts definiert, der erhält eine Vielzahl von Darstellungen, an die man selbst nie gedacht hätte.

Viele Chancen und Optionen werden vergeben, falls ein solcher Wettbewerb nicht stattfindet oder die Vorstellungen zu sehr vordefiniert sind. Baukultur ist dabei ein wesentlicher Aspekt.

 

 

 

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Worauf sollte man achten, wenn man einen Architekturwettbewerb auslobt?

GLEISSNER:
Man muss den mitmachenden Büros, Architektinnen und Architekten Klarheit über Ziele und Rahmenbedingungen geben. In wenigen Worten sollte für alle verständlich kommuniziert werden, in welche Richtung der Bauherr gehen möchte, welche Intentionen es gibt und was das Objekt erfüllen soll. Bei dieser – meiner Meinung nach – Hauptaufgabe sollte man sich selbstkritisch nach dem Credo „Das kann immer noch besser werden“ hinterfragen.

Welche Planungsleistungspakete vergibt die BIG im Zuge von Architekturwettbewerben?

GLEISSNER:
In der Regel schreibt die BIG Generalplaner-Leistungen aus. Das heißt der Gewinner sucht sich auch die Partner für beispielsweise Statik und Haustechnik, um ein geschlossenes Gesamtpaket zu entwickeln und mit diesem in eine Ausschreibung zu gehen. Wir unterliegen im weitesten Bereich dem Bundesvergaberecht und unserer Erfahrung nach ist das ein guter Weg, den wir praktiziert und geübt haben.

In anderen Ländern gibt es andere Schnitt- und Übergangsstellen und somit auch andere Ansätze. Ich bin mir allerdings nicht sicher, wo uns die diversen Technologien, besonders im Bereich Software, hinführen werden beziehungsweise ob das immer so bleiben wird. Ich finde die Tradition, die wir jetzt haben, hat sich bewährt.

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„Wer nur auf den Preis setzt, verliert.“
DI Wolfgang Gleissner

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Ein Architekturwettbewerb ist ein Verfahren, um einen Bestbieter, eine Bestbieterin zu ermitteln. Ist das BestbieterInnenprinzip für jedes Vergabeverfahren der ideal?

GLEISSNER:
Ich denke, man muss beim Bestbieterprinzip differenzieren, um welche Leistung es geht. Bei immateriellen Leistungen, zu denen alle architektonischen Leistungen, die Begleitung durch örtliche Bauaufsicht sowie sonstige ZiviltechnikerInnenleistungen gehören, üben wir von je her das Bestbieterprinzip aus. In diesem Bereich stellt der Preis eine relevante Größe dar, aber sicherlich nicht die bestimmende.

Wer nur auf den Preis setzt, verliert. Das Augenmerk liegt darauf, was das Endprodukt kostet, denn das ist ein Mehrfaches dieser geistigen Leistung. Die Kosten sollen schon im Rahmen bleiben, aber es zählen auch andere Kriterien, beispielsweise die beste Idee, der beste Lösungsansatz oder auch Referenzen, wenn es um besondere Herangehensweisen geht.

Bei der materiellen Leistung ist es anders. Durch ein gut definiertes Leistungsverzeichnis, ist der Spielraum der neben dem Preis bleibt, überschaubar. Natürlich können Kriterien angewendet werden und das tun wir auch. So haben wir seit jeher Gewährleistung gehabt, weil dies eine gewisse Qualität beinhaltet. Seit das Vergaberecht in diesem Bereich angepasst wurde, haben wir einen kleinen Katalog entwickelt, der dann maßgeschneidert je nach Produkt und Projekt anzuwenden ist.

Es kann durchaus eine qualitätssteigernde Wirkung haben, aber ich würde vorsichtig sein, bei der materiellen Ausführung den Preis nach hinten zu reihen. Man muss diese beiden Welten ziemlich getrennt betrachten.

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Professor Lechner und die ZiviltechnikerInnenkammer haben Leistungsmodelle für die Ausschreibung von Planerleistungen entwickelt. Werden die von der BIG verwendet?

GLEISSNER:
Ja, wir verwenden es, aber mit Maß und Ziel. Wenn ich den Leitfaden verwende, der rund 400 Seiten hat, ist schon mehr als ein Leitfaden, das ist ein sehr umfangreiches Werk. Es sich anzusehen und zu fragen:, Wo sind die Gedanken? Wo sind die wesentlichen Stellhebel? Was können wir für die tägliche Arbeit verwenden?‘ Das ist schon etwas Wertvolles.

Wo sind die Vorteile von präzise definierten Leistungsmodellen? An den Schnittstellen zwischen den Gewerken?

GLEISSNER:
Ja, das ist genau der Punkt. Die Berührungsstellen, die Schnittstellen, das sind wesentliche Aspekte. Das gilt für die immaterielle Leistung aber genauso.

Gibt es einen Auftrag der Republik an die BIG, auf baukulturelle Aspekte besonders Rücksicht zu nehmen?

GLEISSNER:
Ich denke doch, dass es von der Allgemeinheit und auch hier von der Politik positiv gesehen wird, wie die meisten Objekte positiv gesehen werden, die wir bauen. Zwei Drittel unserer Bauten sind im Bildungsbereich, Schulen, Universitäten, also die höheren Schulen und die 21 staatlichen Universitäten sind unserer Hauptkunden. Und gerade dort gibt man ja den jungen Menschen durch entsprechende baukulturelle Qualität, wo man sich wohl fühlt, die etwas darstellen, die qualitätsvoll sind, etwas mit auf den Weg.

Ich glaube, das ist ein enormer Multiplikator, der sehr wohl gesehen und anerkannt wird. Wir werden auch in die Gremien hineingerufen, sei es der Baukulturbeirat, seien es diverse Arbeitsplattformen, die sich mit diesen Thematiken auseinandersetzen. Als eine der Republik gehörende Organisation.

Und last but not least, ist ja im Immobiliengesetz, im Bundesimmobiliengesetz ein Passus enthalten, den wir so interpretieren, dass wir der Baukultur, eben auch durch das Thema des Wettbewerbswesens, Augenmerk zu schenken haben.

Ich glaube, das ist wirklich ein guter, ein guter Weg den wir da beschreiten, der à la longue sicher belohnt wird.

Wenn Sie vom Rechnungshof kontrolliert werden: Spielt die baukulturelle Qualität bei seiner Prüfung eine Rolle?

GLEISSNER:
Also ich weiß nicht, ob der Rechnungshof je die baukulturellen Qualitäten unserer Objekte geprüft hat. Aber ich denke, dass der Rechnungshof durchaus würdigt, was gemacht wird. Zumindest habe ich hier noch nichts Negatives gesehen. Man muss ja mit guter Qualität nicht mit den Preisen ausreißen. Es hat das Eine mit dem Anderen nur bedingt zu tun. Ich glaube, dass es darum geht, auch mit einer bestimmten Geldmenge das Bestmögliche zu machen und man kann auch mit einer überschaubaren Geldmenge sehr tolle Sachen bauen.