Ohne externe Hilfe wird es nicht gehen

Interview Ing. Rainer Plösch, Leiter für Baumanagement und Projektentwicklung.

Ing. Rainer Plösch von der Grazer Gebäude und Baumanagement GmbH, rät öffentlichen AuftraggeberInnen, die selten bauen, sich in der Projektentwicklung von Bauvorhaben so früh wie möglich professionelle Unterstützung zu holen. Die Grazer Gebäude und Baumanagement GmbH (GBG) ist als Tochterfirma der Stadt Graz für die Projektentwicklung und Umsetzung aller kommunalen Bauvorhaben verantwortlich. Darunter auch zahlreiche Schul- und Kindergartenbauten.

Der Leiter des Geschäftsbereiches für Baumanagement und Projektentwicklung, Ing. Rainer Plösch, hat sich als einer der Vertreter der öffentlichen Auftraggeber auch aktiv in die Erstellung der Leistungsmodelle und Vergütungsmodelle LM.VM eingebracht, die von Univ. Prof. Lechner von der TU-Wien, gemeinsam mit PlanerInnen und AuftraggeberInnen erstellt wurden.

Die GBG hat sich an der Ausarbeitung der Leistungs- und Vergütungsmodelle mitbeteiligt. Warum?

PLOESCH
Grundsätzlich war es eine sehr gute und, so glaube ich, auch vom Zeitpunkt eine richtige Möglichkeit einmal unterschiedliche Regelwerke, die es in den Bereichen gegeben hat und die sozusagen vom Rechtstatus her unterschiedlich waren, auf eine einheitliche Basis zu bringen. Es ergab sich dadurch auch die Möglichkeit Unklarheiten zu beseitigen und einmal alles klar zu stellen.

Worin liegen aus Ihrer Sicht die wesentlichen Vorteile der LM.VM?

PLOESCH
Der große Vorteil besteht darin, dass es eine klare Strukturierung aller Bereiche gibt. Diese Strukturen sind für mich der größte Nutzen der neuen Leistungs- und Vergütungsmodelle.

Für uns ist es wichtig, Projekte schon in der berühmten „Phase Null“ genau strukturieren zu können und zu diesem Zeitpunkt bereits einen Zeit- aber auch einen Kostenplan erstellen zu können. Da sind die Abschätzung der Kosten und eine Vorberechnung über die LM.VM Erfahrungssätze sehr wichtig.

Welche Vorteile haben Sie in der Angebotsprüfung, wenn Sie über die LM.VM ausschreiben?

PLOESCH
Nachdem klare Strukturen zugrunde liegen, führt es dazu, dass man vergleichbarere Angebote bekommt, wenn man sozusagen einen einheitlichen Standard ausschreibt.

Gibt es jetzt auch weniger Diskussionen über Nachtragsforderungen?

PLOESCH
Je besser die Bestellqualität und das Anforderungsprofil, desto weniger Nachtragsforderungen und Diskussionen über Umfang und Art der Leistung, die erbracht werden musste, gibt es.

 Die LM.VM ermöglichen über einfache Tabellen eine rasche Einordnung in verschiedene Schwierigkeitsklassen bei Planungsaufgaben. Spiegelt dieses Modell die Praxis gut wider?

PLOESCH
Nachdem der Katalog in den Leistungsbildern größer geworden ist, auch mit den optionalen Leistungen, gibt es natürlich weniger Diskussionsbedarf und wir haben auch noch ein paar Punkte dazu genommen, dazu zählt z.B. ob man ein Schaubild benötigt oder nicht. Die Diskussion ist dann geringer geworden, wenn wir aus den optionalen Leistungen, die wir gleich mitanbieten lassen, definiert haben.

Grundsätzlich spiegelt sich theoretisch das Praktische recht gut wieder.

„Der große Vorteil der LM.VM ist, dass es eine klare Strukturierung aller Bereiche gibt.“
Ing. Rainer Plösch, GBG

Der Vorgang des Planens hat sich durch computergestützte Systeme wie „Building Information Modelling“ deutlich gewandelt. Welche Rolle spielen dabei die LM.VM?

PLOESCH
Das ist eine technologische Entwicklung, innerhalb derer das Gebäude etwas früher und genauer betrachtet werden kann. Es schlägt sich in der LM.VM vor allem darin nieder, dass die Prozentwerte gewissermaßen nach vorne verschoben werden, sodass die Vorleistungen, wie Vorentwurf, Entwurf- und Einreichplanung höher bewertet worden sind als sie es früher wurden.

In jüngerer Zeit kommt es bei öffentlichen Auftragsvergaben immer öfter zu TotalunternehmerInnenvergaben. Wie steht die GBG da dazu?

PLOESCH
Die Haltung der Stadt Graz als unsere Auftraggeberin und Eigentümerin ist ja, dass wir ein hohes Maß und ein hohes Bekenntnis zur Baukultur haben und wir grundsätzlich, auch aus Gründen der Förderung von Klein- und Mittelunternehmen, Einzelvergaben machen. Sowohl was die Planung betrifft, als auch was ausführende Firmen betrifft und die AuftragnehmerInnen im ausführenden Bereich. In Sonderfällen, beispielsweise eine einfache Lagerhalle der Holding Graz, machen wir manchmal auch GeneralunternehmerInnenvergaben. Aber grundsätzlich machen wir keine GeneralunternehmerInnenausschreibungen, sondern Einzelvergaben an Einzelfirmen.

Nach welchen Kriterien entscheidet die Gebäude- und Baumanagement GmbH, wann sie einen Architekturwettbewerb durchführen, und wann möglicherweise nicht?

PLOESCH
Die GBG hat es sich, gemeinsam mit der Baudirektion der Stadt Graz, vor einigen Jahren zur Aufgabe gemacht, für das Wettbewerbswesen eine einheitliche Regelung zu gestalten. Wir haben in Zusammenarbeit mit der ZiviltechnikerInnenkammer einen Plan erstellt, aus dem ersichtlich ist, ab welchen Größenordnungen wir welches Verfahren einsetzen. Wir sind aber ein bisschen braver als es das Vergabegesetz uns vorschreibt, da wir auch in Fällen, die grundsätzlich von der Honorarhöhe ausgehend keinen Wettbewerb erfordern würden, die Vergabe der PlanerInnenleistungen auch im Rahmen sogenannter qualitätssicherer Verfahren abwickeln. In der nächsten Stufe veranstalten wir geladene Wettbewerbe in Kooperation mit der Kammer. Sobald das Honorar über den EU-Schwellenwert geht, gibt es dann EU-weite offene Verfahren.

Welche Empfehlungen können sie, als erfahrener öffentlicher Auftraggeber, kleineren Gemeinden geben, wie sie den Planungsprozess eines Bauprojektes am besten aufsetzen könnten?

PLOESCH
Eine Gemeinde, die vor der Aufgabe steht, ein singuläres Bauprojekt alle 20, 30 Jahre zu machen, wie ein Neubau einer Volksschule oder Ähnliches, der würde ich raten diese Phase Null, wie wir sie jetzt bezeichnen, ganz intensiv anzugehen und das wird wahrscheinlich nicht ohne externe Hilfe gehen.

Da würden wir doch jedem raten eine Projektsteuerung, eine begleitende Kontrolle oder einen Verfahrensbetreuer oder eine Verfahrensbetreuerin zu nehmen.

Und welche Empfehlung haben Sie hinsichtlich der Sicherung der Baukultur?

PLOESCH
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Auswahl aus mehreren Projekten in einem Wettbewerb immer zu einem besseren Projekt geführt hat, als wenn wir es nur mit einem Planer erarbeitet hätten.

Stichwort BestbieterInnenprinzip: Kommunen haben dabei oft Doppelinteressen. Einerseits will man so günstig wie möglich bauen. Andererseits, will man auch Kriterien formulieren, die die regionale Wirtschaft stärken. Wie stehen Sie da dazu?

PLOESCH
Bestbieter und Zuschlagskriterien sind ein großes Thema. Wir haben schon seit einigen Jahren die Regelung im Baubereich, dass Bauprojekte und Bauleistungen die größer als 1 Million sind, verpflichtend mit Zuschlagskriterien versehen werden müssen. Wir haben in Bezug darauf ein Modell erarbeitet, das im Ergebnis dann in etwa dem entsprochen hat, was andere öffentliche Auftraggeber sich erarbeitet haben. Dabei geht es um die Verlängerung der Gewährleistungspflicht. Worauf wir ein großes Augenmerk legen, ist die Beschäftigung von Lehrlingen und die Beschäftigung von älteren Arbeitnehmern. Das funktioniert!

Bei Planungsdienstleistungen könnte ein BestbieterInnenkriterium die Qualität der Ausbildung der AnbieterInnen sein?

PLOESCH
Wir haben zwar Zuschlagskriterien, aber diese müssen immer auftragsbezogen sein, d.h. wenn ich jetzt Referenzen oder Qualitätskriterien der Mitarbeiter abfrage, müssen es Mitarbeiter sein, die am Projekt arbeiten. Ein bisschen habe ich die Befürchtung, da es ja an der momentanen Rechtsprechung liegt, dass die Zuschlagskriterien bei Dienstleistungen bei null Euro Auftragswert beginnen, d.h. dass theoretisch jeder Dienstleistungsauftrag mit dem Zuschlagskriterium versehen werden muss. Und da sehen wir schon einen zusätzlichen bürokratischen Aufwand, über den noch diskutieren werden muss.

ZiviltechnikerInnen durchlaufen eine mehrstufige Ausbildung: Abgeschlossenes Studium, mehrjährige Praxis, ZiviltechnikerInnenprüfung. Kann so ein Ausbildungscurriculum bei den Zuschlagskriterien nach Bestbieterprinzip eine Rolle spielen?

PLOESCH
Wenn es Auswirkungen auf das Ergebnis der Arbeit hat, ist so etwas definitiv vorstellbar.