Baukultur überzeugt Gemeindebürger

Interview mit Dr. Peter Hanser, Bürgermeister von Mils in Tirol

Die Gemeinde Mils bei Hall hat in den vergangenen Jahren ihr Dorfzentrum umfassend neu gestaltet. Bürgermeister Peter Hanser hat in diesem Prozess konsequent auf Architekturwettbewerbe und BürgerInnenbeteiligungsverfahren gesetzt. In die Konzeption des Dorfzentrums konnten sich die Bewohnerinnen und Bewohner aktiv einbringen. Und sind heute entsprechend zufrieden und stolz auf das Ergebnis. 

Sie haben bei der Vorbereitung der Bauvorhaben zur Gestaltung des neuen Dorfzentrums auf ein partizipatives BürgeInnenbeteiligungsverfahren gesetzt. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

Hanser
Dieser Prozess hat eigentlich mit einem Architektenwettbewerb für unser Gemeindezentrum begonnen. Es war der erste Baustein für die gesamte Zentrumsentwicklung. Der nächste Schritt war wieder ein Wettbewerb: Dieses Mal für die neue Volksschule.

Und dann haben wir uns an das eigentliche Dorfzentrum herangewagt. Da haben wir dann die Bevölkerung mit eingebunden, um herauszubekommen, was will man unbedingt, in welcher Größenordnung, was ist nicht unbedingt erforderlich. Dieses Bürgerbeteiligungsverfahren hat eine sehr hohe Akzeptanz in der Bevölkerung gefunden.

Wesentlich war, dass wir die Architekten, die zum Wettbewerb eingeladen waren, dazu einluden, auch beim abschließenden Hearing des Bürgerbeteiligungsverfahrens dabei zu sein. Dabei ist einiges herausgekommen: Speziell im Bezug auf das betreute Wohnen, das wir hier als Vorzeigemodell aufgebaut haben. Der Wunsch war, dass das ja eine bestimmte Größenordnung hat und nicht zu klein wird.  Da haben wir gemerkt: Die Bevölkerung braucht das, sie will hier 30 Einheiten und nicht die Hälfte. Wichtig war auch ein Cafe-Restaurant, das ein gutes gastronomisches Angebot bietet.

 

 

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Die Tiefgarage war ja auch politisch ein bisschen in Diskussion: Aber wir haben dann in diesem Prozess gemerkt, man will keine Autos mehr im Zentrum auf diesem Platz haben. Die sollen alle unter der Erde verschwinden. Das haben wir alles umgesetzt. Wohlwissend, dass die Kosten dadurch um einiges höher geworden sind.

Sie haben praktisch bei allen Projekten der Gemeinde auf Architekturwettbewerbe gesetzt. Warum ist das für sie so wichtig?

Hanser
Ich war 20 Jahre Geschäftsführer eines gemeinnützigen Bauträgers, der sehr viel Wettbewerbe in Tirol abwickelte und seit der Zeit ist es für mich eigentlich selbstverständlich, dass man im öffentlichen Bereich mit Wettbewerben arbeiten soll. Dass es, um so ein Zentrum zu entwickeln, einen gewissen Prozess braucht, der auch deutlich über eine Gemeinderatsperiode hinausreicht.

Eine Zentrumsentwicklung besteht ja nicht nur aus dem Wettbewerb. Da ist auch sehr viel Vorlaufarbeit nötig: Grunderwerb, Grundtauschvereinbarungen, Abbruch von Altbeständen.

Das hat einige Jahre in Anspruch genommen. Als dann alles sozusagen startbereit war, haben wir mit dem eigentlichen Dorfzentrumswettbewerb begonnen.

Haben sie in der Gemeinde einen Gestaltungsbeirat?

Hanser
In der Gemeinde selber haben wir keinen installiert. Wir nehmen das Angebot des Landes Tirol in Anspruch. Die haben die entsprechenden Fachleute bei der Hand. Wir sehen unser Modell eigentlich in der Durchführung eines Architektenwettbewerbes, der mit der Kammer abgestimmt ist, wo wir auch die politischen Gremien, sprich Gemeinderat, mit einem Anteil in  der Jury vertreten haben. Unserer Erfahrung in dieser Hinsicht ist eine sehr gute.

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„Wir sehen unser Modell in der Durchführung eines Architektenwettbewerbes, der mit der ZiviltechnikerInnenkammer abgestimmt ist.“
Dr. Peter Hanser, Bürgermeister Mils

Hat es von Seiten der Bürgerinnen und Bürger nach der Fertigstellung des Ortszentrums noch irgendeine Form substantieller Kritik gegeben?

Hanser
Eigentlich nicht, das war auch für mich überraschend. Es haben bei diesem partizipativen Prozeß etwa 300-400 Leute mitgemacht. Das sind cirka 10 % der Bevölkerung, was sehr viel ist.

In der Fertigstellungsphase ist dann überhaupt keine Kritik mehr gekommen. Bei der Eröffnung war die Zustimmung, kann man sagen, fast zu 100 % gegeben. Und auch jetzt, wo alle Gebäude besiedelt sind, herrscht große Zufriedenheit und ich kann sagen, die Milserinnen und Milser sind jetzt stolz auf ihr Dorfzentrum, dass hier etwas geschaffen worden ist, und dass es jetzt in gewisser Weise auch identitätsstiftend für das Dorf ist.