Das Vieraugenprinzip ist ein Credo

Interview DI Markus Rockenschaub, Leiter des Technischen Dienstleistungszentrum der Steirischen Krankenanstaltengesellschaft KAGes

DI Markus Rockenschaub ist bei der KAGes für die Abwicklung aller Bauvorhaben zuständig. Die Bauvorhaben müssen dabei oft im laufenden Betrieb eines Krankenhauses erfolgen und stellen die Projektentwicklung und das Projektmanagement vor ganz besondere Herausforderungen.

Sowohl im Bezug auf das Bauprojektmanagement als auch die begleitenden logistischen Prozesse, die höchsten Qualitätsstandards genügen müssen. Standardisierte Prozesse, wie sie durch Rahmenwerke wie die Leistungsmodelle – Vergütungsmodelle LM.VM definiert werden, spielen unter diesen fordernden Bedingungen eine ganz wichtige Rolle.

Die KAGes hat sich an der Ausarbeitung der Leistungs- und Vergabemodelle selbst aktiv beteiligt. Warum?

ROCKENSCHAUB
Wir machen sehr viele große Ausschreibungen in einem hochkomplexen Bereich. Das war der Hauptauslöser. Denn wir sind massiv davon betroffen, viele Planungsleistungen auszuschreiben. Planung, Projektsteuerung, Örtliche Bauaufsicht, Begleitende Prüfplaner, Prüfstatiker usw. Außerdem ist das auch geschichtlich gewachsen, da es immer einen sehr engen Kontakt zur TU-Graz und auch zu Professor Lechner gegeben hat, der schon damals von der TU Graz aus intensiv an dem Thema gearbeitet hat. Und der enge Kontakt zur ZiviltechnikerInnenkammer wird von uns auch schon seit Jahren intensiv gepflegt.  Vor allem im Rahmen von Vorbereitung von Wettbewerbsverfahren. Weil es uns ja darum geht, Wettbewerbsverfahren gerecht abzuwickeln.

Wieso wurde es notwendig, neue Leistungsmodelle zu entwickeln?

ROCKENSCHAUB
Die älteren Grundlagen für die Ausschreibung, die Gebührenordnungen oder die HOA sind ja außer Kraft gesetzt worden.  Zwischenzeitlich hat sich natürlich auch die Profession der einzelnen Fachplaner, wie Statik, Architektur, Innenraumgestaltung und Akustik weiterentwickelt.

Und die Gebäude selbst und die Technologien, die heute verwendet werden, sind immer komplexer geworden. Daher war es auch an der Zeit, das Ganze mit den neuen LM.VM wieder einmal en bloc aus einem Guss auszuformulieren.

Es ist bei den neuen Leistungsbildern davon auszugehen, dass sie eine minimale Überschneidung an alten Leistungsbildern haben und einen minimalen Anteil an Lücken. Das war für uns auch ein Grund, erstens mitzuarbeiten, die eigenen Erfahrungen aus den Lücken und den Überschneidungen und Problemen in der vergangenen Entwicklung einzubringen und auf der anderen Seite möglichst zeitnah auf diese Leistungsbeschreibungen und Honorarberechnungen umzusteigen.  Was wir auch gemacht haben.

Was hat sich bei den neuen Leistungsmodellen verändert?

ROCKENSCHAUB
Es haben sich beispielsweise Leistungsbereiche von einer späteren Planungsphase in die frühere Planungsphase vorverlagert, die in der Praxis einfach schon da waren, aber von den Gebührenordnungen, von den alten Leistungsbildern her nicht gedeckt waren. So ist z. B. eine Wandabwicklungsplanung früher erst in der Stufe 3 wirklich honoriert worden, aber die Leistung musste schon wesentlich früher erbracht werden. Das ist jetzt in den neuen Leistungsmodellen sowohl leistungsbeschreibungsmäßig, als honorarmäßig angepasst worden.

Es hat sich aber auch die Arbeit der Planerinnen und Planer über die Jahre verändert. Die Statik wurde früher noch viel stärker manuell ermittelt und hatte daher eine höhere Dotierung. Mittlerweile wird alles hochtechnologisch und mit Software gemacht, das heißt, es besteht weniger Bedarf an Manpower. Auch dieses Leistungsbild ist angepasst worden, zu Gunsten z. B. einer Aufwertung des Leistungsbildes von Haustechnik oder der E-Technik, die laufend komplexer werden.

Haben die Musterleistungsbilder auch Arbeitsersparnis gebracht?

ROCKENSCHAUB
Ja, dort wo die Musterleistungsbilder vorliegen hat es massive Arbeitsersparnisse gebracht. Die Erarbeitung der Musterleistungsbilder waren doch einige Jahre intensive Arbeit und die ersten Erfahrungen haben wir jetzt schon aus dem Großprojekt Chirurgie. Das Großprojekt Radiologie ist das erste, wo man die Generalplanerleistungen nach dem neuen Musterleistungsbild ausgeschrieben hat. Wir werden dies laufend evaluieren und anpassen. Das Feedback ist sowohl im Rahmen der Ausschreibung, als auch in der Abwicklung wirklich positiv.

„Mit den Leistungsmodellen gibt es bei der Endabrechnung kaum böses Erwachen.“
DI Markus Rockenschaub

Der Gesundheitsbereich unterscheidet sich in vielen Aspekten deutlich von anderen Bauauftraggebern. Hatte das auch Auswirkungen auf Ihre Leistungsbilder?

ROCKENSCHAUB
Wir haben gemeinsam mit Prof. Lechner, aufbauend auf den Leistungsbildern die allgemein veröffentlich worden sind, Musterverträge oder Musterleistungsbilder für die KAGes erarbeitet, wo die Spezifika für Gesundheitseinrichtungen eingearbeitet wurden. Diese Leistungsbilder sind jetzt Grundlage für die Ausschreibung. Wir lehnen uns jetzt an die LM.VM vollinhaltlich an und haben das, was spezifisch unsere Aufgaben im Krankenanstaltenwesen betrifft ergänzt.

Öffentliche Auftraggeber müssen, wegen der Vergabeschwellenwerte, die voraussichtlichen Kosten eines Planungsauftrages schon im Voraus möglichst genau ermitteln. Wie helfen dabei die Leistungsmodelle?

ROCKENSCHAUB
Das Berechnungsmodell, das den LM.VM zu Grunde liegt, wurde für die KAGes, aufbauend auf dem was wir schon gehabt haben, durch Prof. Lechner als eigenes Berechnungsmodell erarbeitet. D.h. wir berechnen die Honorare im Voraus, auf Basis der Herstellungskosten und Honorarbasis die wir kennen. Weiters berechnen wir auf Grund der Projektentwicklung oder eines Entwurfes und versuchen dann den Markt einzuschätzen, sprich: Was sind mögliche marktspezifische, marktkübliche Nachlässe? Daraus lässt sich der Schwellenwert recht genau berechnen und davon abhängig erfolgt die Wahl des Vergabeverfahrens.

Welche Auswirkungen haben die Leistungsmodelle auf Nachtragsforderungen?

ROCKENSCHAUB
Wir haben kaum böses Erwachen im Projektverlauf, was jetzt den Grundvertrag zur Endabrechnung betrifft.

Welche Empfehlungen können Sie als erfahrener Auftraggeber anderen öffentlichen Einrichtungen geben, die selten mit Bauprojekten zu tun haben?

ROCKENSCHAUB
Grundsätzlich ist es so, wenn man sehr selten ausschreibt, dann ist es angeraten, dass man sich Unterstützung holt, besonders dann wenn man die eigene Fachkompetenz nicht hat, die Ausschreibungen entsprechend vorzubereiten oder eine entsprechende Projektentwicklung zu machen.

Dafür gibt es sehr kompetente Dienstleister, die es als eigenen Marktzweig erkannt haben, dass sie öffentliche Einrichtungen unterstützen. Das sollte man unbedingt wahrnehmen um die Projektentwicklung und das Abschätzen des Ganzen seriös betreiben zu können.

Wichtig ist Ausführung von der Planung zu trennen. Das Vieraugenprinzip ist für uns ein Credo.  Wenn jemand etwas plant und dann auch ausführt, wird der Bauherr –  egal ob kompetenter oder nicht kompetenter Bauherr – nie erfahren, falls etwas schief geht. Wenn ich eine Sphärentrennung mache, dann wird natürlich jener, der die Ausführung überwacht, wenn er einen Fehler entdeckt, es aufzeigen. Einer, der sich selbst überwacht, wird in der Regel versuchen es durchzustehen und es wird unter Umständen gar nicht zu Tage treten. Das heißt, dass die Sphärentrennung unabdingbar ist, wen man schlussendlich eine gute Qualität bekommen will.