LINZ: 23. April 2018: Podiumsdiskussion

Der Keim des Erfolges für öffentliche Bauprojekte

Ob ein öffentliches Bauprojekt ein Erfolg wird, entscheidet sich schon vor der Auftragsvergabe. Darin waren sich die Teilnehmer an der Podiumsdiskussion zum Thema „Wege aus der Vergabefalle“ einig. Eine solide Projektentwicklung und die getrennte Vergabe von Planung und Ausführung legen das Fundament für ein gutes Ergebnis.

Josef Mathis

In diesem Jahr treten ein neues Bundesvergabegesetz und neue EU-rechtliche Bestimmungen zur sogenannten „elektronischen Vergabe“ in Kraft. Aus diesem Anlass hat die Kammer der ZiviltechnikerInnen am 23. April in Linz zu einer Podiumsdiskussion über Auftragsvergaben für öffentliche Bauprojekte eingeladen. Im Mittelpunkt der Diskussion stand vor allem die Frage, welchen Einfluss Entscheidungen, im Vorfeld der Auftragsvergaben, auf die Qualität der realisierten Projekte haben. Denn mit den Ergebnissen müssen Gemeinden und andere öffentliche Bauherren dann viele Jahrzehnte leben.

Die Diskussionsteilnehmer waren sich darin einig, dass die Ursachen für spätere Probleme meist in einer mangelhaften Projektentwicklung zu suchen sind. „Wenn man vor einer Ausschreibung nicht klärt, welche Funktionen ein Gebäude erfüllen soll, welche qualitativen und baukulturellen Zielvorgaben mit der Planungsaufgabe verbunden sind, dann wird man auch zu keinem guten Ergebnis kommen“, ist Josef Mathis überzeugt, der mehr als 3 Jahrzehnte Bürgermeister der Gemeinde Zwischenwasser in Vorarlberg war und als einer der Pioniere in Sachen Baukultur im ländlichen Raum in Österreich gilt. Bei den Bauprojekten in seiner Gemeinde hat er konsequent auf die Durchführung von Architekturwettbewerben und die getrennte Vergabe von Planung und

 

 

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Ausführung gesetzt, um so die bestmögliche Qualität zu erhalten.

Ulrike Böker, langjährige Bürgermeisterin der Gemeinde Ottensheim, weist darauf hin, dass die Projektentwicklung von Bauvorhaben viele kleine Gemeinden oft personell und fachlich überfordert. Deshalb plädiert sie dafür, von Anfang an kompetente Planer in der Projektvorbereitung beizuziehen.

Martin Schoderböck vom Ziviltechnikerbüro Werkraum Ingenieure weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Ziviltechnikerkammer sowohl für die Projektentwicklung als auch für jede daran anschließende Planungsaufgabe einen umfangreichen Katalog von „Leistungsmodellen“ ausgearbeitet hat. Dieser Katalog kann 1:1 als Mustervorlage für jede dieser Aufgaben verwendet werden und bietet eine seriöse Kalkulationgrundlage für die voraussichtlichen Kosten der jeweiligen einzelnen Aufträge.

Diese Kostenermittlungen sind auch für die Wahl der rechtlich zulässigen Vergabeverfahren notwendig, unterstreicht der auf Vergabeverfahren spezialisierte Rechtsanwalt Bernhard Müller von der Kanzlei Dorda. Müller betont auch, dass eine zielführende rechtliche Vorbereitung von Vergabeverfahren immer von einer seriösen planerischen Projektentwicklung abhängig ist, weil nur auf dieser Grundlage Ausschreibungen so formuliert werden können, dass sie auch zum qualitativ besten Ergebnis führen.

Der Präsident der Kammer der ZiviltechnikerInnen für Oberösterreich und Salzburg weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass der Verfassungsausschuss des Nationalrates in Bezug auf das künftige Bundesvergabegesetz festgehalten hat, dass unterschiedliche Planungsaufgaben nicht in einem gemeinsam ausgeschrieben werden müssen, sondern auch getrennt nach dem Bestbieterprinzip vergeben werden können.

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Foto von links nach rechts: Josef Mathis, Rudolf Kolbe, Martin Schoderböck, Ulrike Böker, Bernhard Müller,  Hansjürgen Schmölzer

Die Podiumsdiskussion fand am Montag dem 23. April 2018 von 14 bis 16 Uhr in der Kammer der ZiviltechnikerInnen, ArchitektInnen und IngenieurInnen Oberösterreich und Salzburg, Kaarstraße 2/II, 4040 Linz, statt

Begrüßung
DI Rudolf KOLBE, Präsident Kammer der ZiviltechnikerInnen Oberösterreich und Salzburg

Impulsreferat
Josef MATHIS, ehemaliger Bürgermeister von Zwischenwasser, Vorstand Landluft, Verein zur Förderung von Baukultur im ländlichen Raum und Vorstand Verein Zukunftsorte

Podiumsdiskussion
DI Martin SCHODERBÖCK
Priv.-Doz. Dr. Bernhard MÜLLER, DORDA Rechtsanwälte GmbH
Ulrike BÖKER, ehemalige Bürgermeisterin von Ottensheim, Abgeordnete zum Oberösterreichischen Landtag (Die Grünen)

Mag. Hansjürgen SCHMÖLZER, Moderation