INNSBRUCK, 3. Mai 2018: Podiumsdiskussion - Rückblick

Bürgermeister prägen die Baukultur

Kommunale Bauten haben Vorbildwirkung für die Entwicklung der Baukultur einer Gemeinde. Wenn das Gemeindezentrum, die Schule, der Kindergarten oder Platz- und Verkehrsraumgestaltungen von einem hohen gestalterischen und qualitativen Anspruch getragen sind, strahlt das auch auf die Qualität privater Bauvorhaben aus. Den Bürgermeistern kommt dabei eine Schlüsselrolle zu.

Ob ein öffentliches Bauvorhaben auch zu einem qualitativ guten Ergebnis führen wird, entscheidet sich bereits bevor die ersten Aufträge dafür vergeben werden. Darin waren sich die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion in Innsbruck, zu der die Ziviltechnikerkammer Kommunalpolitiker, Planer und Vergaberechtsexperten eingeladen hatte, einig.

Denn der Schlüssel zu guter architektonischer und baukultureller Qualität öffentlicher Bauprojekte liegt in Grundsatzentscheidungen ganz am Anfang des Projektentwicklungsprozesses. Ob für die solide Projektentwicklung eines Bauvorhabens eine professionelle Begleitung beigezogen wird, ob man einen Architekturwettbewerb durchführt und Planung und Ausführung getrennt vergibt, bestimmen in kleineren Gemeinden meist die Bürgermeister. Von diesen Entscheidungen hängt die Qualität des Projektergebnisses ganz wesentlich ab.

Josef Mathis, langjähriger Bürgermeister der Gemeinde Zwischenwasser in Vorarlberg und einer der Vorkämpfer für den sensiblen Umgang mit Baukultur im ländlichen Raum, hat zu diesen Fragen einen zugleich ambitionierten und pragmatischen Zugang: „Ich habe rasch erkannt, dass man als Bürgermeister nicht Experte für alles sein kann. Vom Schulwesen bis zur Architektur. Deshalb war für mich auch klar, dass wir uns in Architektur- und Baukulturfragen den Rat von Experten holen, die von diesen Themen etwas verstehen.“ Für ihn ist ein gut vorbereiteter Architekturwettbewerb der Schlüssel zu einem qualitätvollen Projekt und gleichzeitig der ideale Weg, auch zu den besten Ideen zu gelangen.

Klaus Unterweger, viele Jahre Bürgermeister der Gemeinde Kals am Großglockner, pflichtet Mathis bei: „Ohne einen Architekturwettbewerb wären wir nie auf das damals noch relativ junge Architekturbüro gekommen, das unser Gemeindezentrum gestaltet hat.“

Trotzdem gibt es bei vielen kleineren Gemeinden immer noch Berührungsängste, wenn es um die Durchführung von Architekturwettbewerben geht. Nicht zuletzt, weil Unsicherheiten bei der korrekten Abwicklung der damit verbundenen Vergabeverfahren bestehen.

Erich Fritsch, Vizepräsident der Kammer der ArchitektInnen & IngenieurkonsulentInnen Tirol und Vorarlberg verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass die Kammer eine eigene Beratungsstelle eingerichtet hat, die Gemeinden bei der Durchführung qualitätvoller Vergabeverfahren für Architektur- und Planungsaufträge unterstützt.

Eine wichtige Hilfe bei der Ausschreibung und Vergabe von Aufträgen für öffentliche Bauvorhaben bieten auch die von Univ.-Prof. DI Hans Lechner gemeinsam mit einem Team von Vergaberechtsexperten, Planern und erfahrenen öffentlichen Auftraggebern ausgearbeiteten „Leistungsmodelle“ und „Vergabemodelle“, die 1 : 1 verwendbare Mustervorlagen für die Leistungsbeschreibung der meisten gängigen Planungsaufgaben und zulässigen Vergabeverfahren bereitstellen.

Die Vergabemodelle sind auf das vor kurzem im Nationalrat beschlossene Bundesvergabegesetz angepasst und werden in der aktualisierten Fassung bis zum Sommer erscheinen, wie Vergaberechtsexerte Dr. Christian Fink betont, der die rechtliche Endredaktion dieser Mustervorlagen übernommen hat. „Mit professioneller Unterstützung und unter Verwendung dieser von Experten ausgearbeiteten Modelle, ist jede Gemeinde für die Abwicklung qualitätvoller Bauvorhaben bestens gerüstet“, ist Professor Lechner überzeugt.

von links nach rechts: Klaus Unterweger, Christian Fink, Josef Mathis, Erich Fritsch, Hans Lechner

Die Podiumsdiskussion fand am Donnerstag, 3. Mai 2018, 14 bis 16 Uhr
Kammer der ArchitektInnen & IngenieurkonsulentInnen Tirol und Vorarlberg
Seminarraum Top 202 im 2. Stock
Rennweg 1, Hofburg, 6020 Innsbruck, statt.

Begrüßung
DI HANNO VOGL-FERNHEIM,
Präsident der Kammer der ArchitektInnen & IngenieurkonsulentInnen Tirol und Vorarlberg.
DI ERICH FRITSCH,
Vizepräsident der Kammer der ArchitektInnen & IngenieurkonsulentInnen Tirol und Vorarlberg

Impulsreferat
JOSEF MATHIS, ehem. Bürgermeister von Zwischenwasser, Vorstand LandLuft, Verein zur Förderung von Baukultur im
ländlichen Raum und Vorstand Verein Zukunftsorte

Podiumsdiskussion
Univ.-Prof. DI HANS LECHNER
DR. CHRISTIAN FINK – Finkrecht
KLAUS UNTERWEGER, ehemaliger Bürgermeister von Kals

MAG. HANSJÜRGEN SCHMÖLZER, Moderation

 

Klaus Unterweger, Hans Lechner