Die Leistungsmodelle ermöglichen die Konzentration auf das Wesentliche

Interview mit Dipl.-KHBW Ernst Fartek, Finanzvorstand bei der Steirischen Krankenanstaltengesellschaft KAGes

Ernst Fartek ist bei der KAGes als Vorstand für Finanzen und Technik für die rechtliche, finanzielle und betriebsorganisatorische Abwicklung der Bauvorhaben zuständig.  Kosten- und Terminsicherheit sind für ihn bei Bauprojekten genauso wichtig wie die optimale Abstimmung auf den laufenden Betrieb. Klare Steuerungsstrukturen sind für ihn der Schlüssel zum Erfolg.

Bauprojekte im laufenden Krankenhausbetrieb abzuwickeln sind eine sehr komplexe Herausforderung. Wie gehen Sie an solche Aufgaben heran?

FARTEK
Planer-Leistungen werden extern vergeben, die Projektüberwachung wird intern gemacht. Das ist die größte Herausforderung, gerade für einen öffentlichen Träger wie wir es sind. Den Spagat zu schaffen, auch aus dem politischen Auftrag heraus, zwischen regionalem Bezug, regionaler Stärkung der Wirtschaft einerseits und einen möglichst optimierten Einsatz der zur Verfügung stehenden Mitteln zu bewerkstelligen.

Somit bin ich beim Billigstpreisprinzip oder Billigstbieterprinzip. Gerade im Gesundheitsbereich kommt als Quermaterie die Sicherheit und die Qualität der Versorgung zu Tage, die möglicherweise gerade im Medizintechnikerbereich eine gewisse Form der Standardisierung hat.

Wenn ich im Medizintechnikbereich im Notfall einen bestimmten Typ eines Gerätes verwende, habe ich eine höhere Versorgungssicherheit des Patienten, das muss aber nicht immer deckungsgleich mit dem Billigst- und nicht einmal mit dem Bestbieterprinzip sein.

Die Herausforderung ist unter diesem Aspekt auch noch zu betrachten. Wir haben uns in Diskussionen dazu bekannt, dass das Bestbieterprinzip eigentlich ein Gutes ist, da wir auch der Ansicht sind, dass Nachhaltigkeit, Ökologie und Regionalität in der Entscheidung schon sehr wohl mitspielen sollten.

Wenn von medizinischer Seite einmal die Grundlagen für das Bauprojekt definiert sind, wie erfolgt dann die weitere Planung?

FARTEK
Die weitere Planung erfolgt auf Basis der gemeinsam erarbeiteten Leistungsmodelle. Grundsätzlich ist es für uns wichtig, Nachtragsforderungen zu vermeiden. Es geht für uns aber auch um die Gesamtabwicklungsperspektive: Wenn ich das Problem habe, dass ich mich mit Konflikten befassen muss, dann verliere ich den Fokus auf das Eigentliche, auf die Qualität des Bauvorhabens.

Für uns ist es im Vorfeld entscheidend, den Rahmen der Ausschreibung so gut und klar zu definieren, dass wir möglichst wenig Streitpunkte im Nachhinein haben.


Wir bekennen uns zum Bestbieterprinzip, weil Nachhaltigkeit, Ökologie und Regionalität für uns eine Rolle spielen.
Dipl.-KHBW Ernst Fartek

Wodurch unterscheidet sich der Aus- und Umbau einer Chirurgie, im laufenden medizinischen Betrieb, von „normalen“ Bauvorhaben?

FARTEK
Es ist ein vielfaches Übersiedeln von gewissen Bereichen. Wir haben, als wir die Ambulanzen im Chirurgietrakt umgebaut haben, bei der Eröffnung eine wunderschöne Grafik gehabt, da hätte niemand gedacht, dass das ein Übersiedlungsplan ist.

Es waren glaube ich 80 oder 90 Linien auf einem Plan die besagten, wie oft bestimmte Bereiche innerhalb von Wochen zwischen den Räumen siedeln müssen, damit der Betrieb geordnet weiter gehen kann. Das ist eine gewaltige logistische Herausforderung für alle, die Planer, die bauausführenden Firmen, die auf den Routinebetrieb des Krankenhauses Rücksicht nehmen müssen und natürlich für die Mitarbeiter vor Ort.

Es hat Phasen gegeben, in denen der Polier am Baufeld und der Arzt im OP ein rotes Telefon hatten und man sagte: Jetzt müssen wir Bodenerschütterungen verursachen, jetzt macht der OP eine halbe Stunde Pause. Dann hat der OP angerufen und gesagt: Jetzt müssen wir operieren, jetzt muss die Baustelle pausieren. So eng muss die Abstimmung verlaufen.

Wie wirken sich solche Besonderheiten auf die Kostensteuerung aus?

FARTEK
Es ist eine riesige Herausforderung, was diese Abläufe, aber auch die Kosten anlangt, denn wir bauen eindeutig lieber auf der grünen Wiese, als im Bestand. Provisorien verursachen höhere Kosten. Je mehr ich vorne in der Planung an Zeit investiere, desto mehr spare ich mir hinten an Zeit und Geld wieder ein. Das kann man eindeutig so sagen.

„Building Information Modelling“ eröffnet viele neue Aspekte in der Planung und Projektentwicklung. Welche Rolle spielt das bei der KAGES?

FARTEK
Das ist eindeutig die Zukunft, einerseits im Veranschaulichen der künftigen Räume und Abläufe, andererseits auch im Bereich der Betriebsorganisationsplanung, wo man auf Grund der Leistungsdaten Computersimulationen macht: Wo hab ich im Patientenfluss Engstellen zu erwarten, wo hab ich Wartezeiten zu erwarten, wo habe ich Personal mehr oder weniger zu bestimmten Zeiten in bestimmten Räumen? Auch das wird schon vorher am Computer simuliert, um hier zu optimieren.

Sie greifen bei ihren Auftragsvergaben auf die Leistungs- und Vergabemodelle der Ziviltechnikerkammer zurück. Hilft das Probleme in Vergabeverfahren zu vermeiden?

FARTEK
Wir haben dadurch im Großen und Ganzen keine Probleme, wenn dann waren es Themen, bei denen wir Bieter ausschließen mussten, weil bestimmte Vergabekriterien nicht erfüllt waren. Aber wir haben kaum Einsprüche und auch hier, durch die gute Vorbereitung, kaum Probleme.

Der Entwurf des Bundesvergabegesetzes sieht eine verpflichtende Zusammenrechnung aller geistigen Dienstleistungen vor. Das wird von vielen Seiten kritisiert, von der KAGes auch?

FARTEK
Dieser Kritikpunkt besteht sicher zu Recht. Ich würde es jedenfalls auch so sehen. Man muss überhaupt den vernünftigen Mittelweg finden zwischen einerseits einer möglichst optimierbaren Vergabe, was wichtig und richtig ist.

Andererseits sollte man zumindest ein bisschen die Einflussmöglichkeit, seitens des Auslobenden, auf regionale Gegebenheiten berücksichtigen.

Der Gesundheitsbereich erfordert auch bei Bauprojekten ganz spezifisches Know-how. Welche Rolle spielt dabei das Bestbieterprinzip?

FARTEK
Es ist schon Teil unseres Kriterienkataloges, dass wir entsprechende Erfahrung und Nachweise in Gesundheitsprojekten fordern. Natürlich haben wir auch ein bisschen die Sorge was europaweite Ausschreibungen angeht: Was nützt es, wenn der perfekte Wunderplaner 500 bis 1000 km entfernt ist? Dann können wir nicht davon ausgehen, dass die kurzfristigen Abstimmungen und Nutzerinteressen gut untergebracht werden können. So gesehen setzten wir schon nach Möglichkeit auf Erfahrung im österreichischen Gesundheitswesen, auf Erfahrung vor Ort bei unseren Planern.

Welche Rolle spielen genau definierte Leistungsmodelle bei Ihren Auftragsabwicklungen?

FARTEK
Wir sind der Ansicht, dass wir alle unsere Vorhaben partnerschaftlich mit den Anbietern abwickeln. Je klarer die Regeln für diese Partnerschaften sind, je früher wir unsere Bedürfnisse berücksichtigt sehen, desto besser ist die Zusammenarbeit.