Die Besten sind uns gerade gut genug

Wie man mit dem Bestbieterprinzip bei der Vergabe von Planungsaufträgen auch wirklich die Besten bekommt.

Über das Bestbieterprinzip bei öffentlichen Auftragsvergaben wurde in jüngerer Zeit heftig diskutiert. Neben den damit verbundenen politischen und regionalwirtschaftlichen Fragen ist vor allem die Frage entscheidend, wie man das Bestbieterprinzip so anwenden kann, dass man rechtskonform tatsächlich die qualitativ beste Leistung ermittelt.

Für den Präsidenten des Österreichischen Gemeindebundes, Alfred Riedl stehen dabei vor allem Fragen der Rechtssicherheit bei Auftragsvergaben nach dem Bestbieterprinzip im Mittelpunkt. Vor dem Hintergrund laufender rechtlicher Neuerungen durch den Gesetzgeber meint er: „Es macht Sinn, das Bestbieterprinzip anzuwenden und es hilft uns auch, da die lokale Wirtschaft im Besonderen berücksichtigen zu können. Ich möchte in Richtung Gesetzgeber allerdings anmerken: So einfach wie möglich bitte!“

Vergaben nach dem Bestbieterprinzip machen insbesondere dort einen Sinn, wo es um geistig-schöpferische Leistungen geht. Wolfgang Gleissner, Vorstandsdirektor der Bundesimmobiliengesellschaft hat diesbezüglich eine klare Haltung: „Bei immateriellen Leistungen, also allen architektonischen Leistungen, die Begleitung durch die örtliche Bauaufsicht und sonstige Ziviltechnikerleistungen: Da vergeben wir von je her nach Bestbieterprinzip. Der Preis ist dabei natürlich auch eine relevante, aber sicherlich nicht die bestimmende Größe. Wenn man solche Leistungen nur nach dem Preis vergibt, hat man verloren!

 

 

 

Man muss das immer in Relation zum fertigen Bauwerk setzen. Das Endprodukt kostet ja ein Vielfaches dieser geistigen Leistung. Deshalb haben wir da immer auf qualitative Kriterien gesetzt: Was ist die beste Idee? Was ist der beste Lösungsansatz?

Da spielen auch Referenzen eine Rolle, wenn es etwa um besondere Herangehensweisen im Denkmalschutz geht oder Ähnliches.  Bei der materiellen Leistung, also den Bauleistungen selbst, schaut die Welt anders aus: Wenn ich ein sehr gut durchdefiniertes Leistungsverzeichnis habe, ist der Spielraum, der mir neben dem Preis bleibt, ein überschaubarer.“

„Natürlich haben wir bei europaweiten Ausschreibungen auch eine Sorge: Wenn der Planer dann 1.000 km entfernt ist, gehen wir nicht davon aus, dass wir immer die notwendigen kurzfristigen Abstimmungen durchführen können.“
Ernst Fartek, Vorstandsdirektor der KAGES 

Auch Vorstandsdirektor Ernst Fartek von der Steirischen Krankenanstaltengesellschaft KAGES sieht das ähnlich: „Es ist schon Teil unseres Kriterienkataloges, dass wir bei der Vergabe von Planungsleistungen den Nachweis entsprechender Erfahrung in Gesundheitsprojekten fordern.“

Fartek ergänzt aber: „Natürlich haben wir auch ein wenig Sorge, wenn man alles europaweit ausschreibt: Wenn der Planer dann 1.000 km entfernt ist, gehen wir nicht davon aus, dass wir immer die notwendigen kurzfristigen Abstimmungen durchführen können. Selbst wenn das der perfekte Wunderplaner ist, hilft uns das dann nicht weiter. So gesehen setzen wir schon nach Möglichkeit auf Erfahrung bei

 

 

unseren Planern vor Ort und lassen das auch in die Zuschlagskriterien einfließen.“

Der Präsident der Bundeskammer der ZiviltechnikerInnen, Christian Aulinger, ist davon überzeugt, dass Planungsleistungen nicht nach dem Billigstbieterprinzip beurteilt werden können. „Wenn ich bei der Planung nicht auf Qualität setzte, sondern rein auf den Preis, also die billigste Planung einkaufe, wird diese billigste Planung nicht dazu führen, dass ich das kostengünstigste Projekt plane. Denn ein kostenoptimiertes Projekt zu planen, bedeutet mehr Zeit und Fantasie in die Planung stecken zu müssen.“ Deshalb empfiehlt Aulinger, bei den Vergabekriterien vor allem auf die Qualifikation und Expertise der PlanerInnen zu achten: „Wie gut ist der Anbieter selbst ausgebildet? Hat er noch Zusatzqualifikationen? Wie gut sind seine Mitarbeiter ausgebildet? Das sind Fragen, die bei Planungsleistungen von zentraler Bedeutung sind“, sagt Aulinger und verweist dabei insbesondere auf die dreistufige akademische Ausbildung der ZiviltechnikerInnen, die nach dem Abschluss eines einschlägigen Technikstudiums auch noch eine Ausbildungspraxiszeit und die Ablegung der ZiviltechnikerInnenprüfung zu absolvieren haben.